{rezension} Die Flucht der Magd

Autor: Doris Röckle
Verlag: Droemer Knaur
Einband: ebook // Seiten: 604
ISBN: 978-3-426-44216-6
Erschienen: 11.2016

Meine Wertung:

Vielen Dank an Doris Röckle und den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar!



Klappentext


Opulenter historischer Roman um eine junge Magd, ein adeliges Kind, die verfluchte Lanze des Longinus und den Machtkämpfen zwischen Kirche und Krone. Rhyntal 1322: Die Leibeigene Hanna wird als Magd auf die Burg Montfort gebracht, wo sie von nun an für den Grafen arbeitet. Bald macht das Gerücht die Runde, dass es in der Dachkammer spukt. Doch die neugierige Hanna entdeckt, dass es sich dabei um eine entführten Jungen handelt. Um das Leben des Jungen zu retten, beschliesst Hanna ihre gemeinsame Flucht ins ferne Rhyntal. Doch der Arm des Grafen reicht weit...


Meine Meinung


Die Flucht der Magd führt uns ins Rhyntal im Mittelalter. Nach einem kurzen Prolog, der zeitlich ein ganzes Stück vor der eigentlichen Handlung spielt, begleitete ich die Leibeigene Hanna auf die Burg ihres Herrn, wo sie als Magd dienen soll. Hanna, die durch die Pocken gezeichnet ist, hat es nicht leicht und muss sich das ganze Buch über mit unterschiedlichen Vorurteilen, Beschimpfungen und Neid auseinandersetzen. Diese reichen von leichtem Aufziehen bishin zu Beschuldigungen, die ihr Leben bedrohen. Aber sie findet neben zahlreichen und teils einflussreichen Feinden, auch echte Freunde, die ihr beistehen.

Hanna ist die Hauptprotagonistin der Geschichte. Sie hat das Herz am rechten Fleck, aber ihre Versuche einem kleinem Jungen zu helfen, bringen sie nicht nur in Schwierigkeiten, sondern auch in eine Lage, in der sie immer wieder entscheiden muss, was sie tun soll. Ich konnte Hannas Lage zwar verstehen, vor allem zu dieser Zeit und den gesellschaftlichen Verhältnissen, aber ich konnte nicht alles nachvollziehen. Vor allem als Hanna erkannte, wer die Eltern des Jungen sind, fand ich die Gründe ihrer Entscheidung nicht ausreichend erklärt. Mir fehlte es die ganze Zeit über an einer wirklichen Bindung zu ihr. Was vielleicht auch am Erzählstil lag. Aber nachdem ich sie anfangs als sehr angenehm empfand, habe ich im Laufe der Geschichte irgendwie das Interesse an ihr verloren. Da haben mich die Freiherren und Kleriker mehr angesprochen, auch wenn die meisten von denen total unsympathisch waren.

Der Schreib- und Erzählstil war angenehm, aber sorgte bei mir auch für eine gewisse Distanz zu den Personen. Ich bin anfangs etwas schwer in die Geschichte reingekommen, weil ich mich erst daran gewöhnen musste, dass nicht alles aus der Sicht von Hanna und einigen ausgewählten Personen erzählt wurde, sondern der Erzähler stattdessen immer zu Orten und Personen sprang, wo etwas Interessantes für die Handlung zu erfahren war. Die Schilderungen der damaligen Verhältnisse sind düster und eindrücklich. Beim Lesen stellte ich mir ständig schmutzige, stinkende Burgen vor und Mägde/Knechte, die mit schlechter Kleidung den ganzen Tag arbeiten. Da ich keine Zeitreisende bin, kann ich leider nicht wissen, wie es damals wirklich war, aber hier im Buch wird es sehr unschön und düster dargestellt.
Die knapp 600 Seiten sind in 9. Kapitel geteilt, die dementsprechend lang sind. Ich selbst konnte die Einteilung nachvollziehen und durch Absätze lassen sich innerhalb der Kapitel gute Stellen für Pausen finden. Auch wenn die Pausen bei mir zum Ende hin selten vorkamen. Nach der Flucht von Hanna gibt es zwar einige Stellen, die ein bisschen gezogen haben, aber immer neue Wendungen und Entscheidungen von Hanna bzw. ihren Feinden lässt die Spannung immer wieder aufleben.

Schade fand ich, dass kein Epilog da war. Ich erwarte von einem Buch mit Prolog auch einen Epilog. Ich hätte gerne gewusst, wie es mit Hanna, dem Jungen oder sogar der Lanze weitergeht. Aber da ist wohl meine eigene Fantasie gefragt.


Fazit


Die Flucht der Magd gibt einen spannenden Einblick in die Zeit des Mittelalters und der vielleicht damaligen Verhältnisse. Durch den Erzählstil war ich überall dabei, wurde aber durch Entscheidungen der Personen trotzdem überrascht, was die Spannung erhielt.


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