{rezension} Vermählung

Autor: Curtis Sittenfeld
Verlag: Harper Collins
Einband: Taschenbuch // Seiten: 600
ISBN: 9783959671149
Erschienen: 06.2017

Meine Wertung: 

Vielen Dank an Harper Collins für das Rezensionsexemplar!



Klappentext


Mrs. Bennets Leben dreht sich nur um das Eine: Wie kann sie es bloß schaffen, dass ihre Töchter endlich den Richtigen finden? Zumindest für Jane, die Älteste, gibt es Hoffnung: Chip Bingley, der attraktive Arzt, der noch vor Kurzem als Bachelor in der Fernsehshow „Vermählung“ vergeblich nach der großen Liebe suchte, zieht in die Kleinstadt. Und gleich beim ersten Zusammentreffen knistert es zwischen Chip und Jane. Doch was ist mit Liz Bennet? Chips Freund, der ungehobelte Neurochirurg Fitzwilliam Darcy ist definitiv keine Option! Dennoch scheinen die beiden nicht voneinander lassen zu können …


Meine Meinung


Zu Beginn sollte ich direkt sagen, dass ich Jane Austen liebe und Stolz und Vorurteil mein Lieblingsbuch ist. Ich weiß nicht, ob Vermählung mich begeistert hätte, wenn ich das Original nicht kennen würde, aber ich kenne und liebe es nun mal und daher hat Vermählung mich mehr als enttäuscht. Es hat mich entsetzt, was hier aus den Figuren, die ich liebe, gemacht wurde.

Obwohl ich die ersten hundert Seiten unsicher war, ob ich den Schreibstil mag oder nicht, fand ich ihn letztendlich doch angenehm. Es wird sehr ausführlich beschrieben und die Sachen beim Namen genannt. Einige Sätze konnten mich sogar zum Lachen bringen. Selbst an die Tatsache, dass einige Kapitel nur eine halbe Seite lang waren, habe ich mich mit der Zeit gewöhnt. Auch fand ich zu Beginn die Ideen ganz toll. Ich war gespannt darauf, wie sich die Bennet Schwestern und deren Mutter sich wohl in der heutigen Zeit verhalten werden. Wie sich ein Wickham heutzutage verhalten müsste, um wie im Original so bei Darcy in Ungnade zu fallen. Und natürlich wie sich die Liebe zwischen Jane und Bingley bzw. Lizzy und Darcy entwickelt.

Das Alter der Bennet Schwestern wurde hier im Roman deutlich angehoben, sodass aus einer 21-jährigen eine 38-jährige Lizzy wurde. Den Grund dahinter konnte ich allerdings gut verstehen. Sind doch die jüngsten Geschwister im Original grade mal 16 Jahre alt und mit solch einem Alter wäre deren Handlungsstrang in der Adaption gar nicht möglich. Was ich allerdings gar nicht nachvollziehen konnte, war die Darstellung der Charaktere. Natürlich war ich darauf eingestellt, dass andere Probleme die Familie belasten und dass die Charakterzüge der Personen auch durch anderes Verhalten dargestellt werden muss, da wir in der heutigen Zeit andere Moralvorstellungen haben als Anfang des 19. Jahrhundert. Aber es war mir entweder viel zu übertrieben dargestellt oder es kam viel zu viel zusammen. Ich fand keine einzige Person am Ende mehr sympathisch.

Mr Bennet scheint sich hier wirklich für gar nichts zu interessieren. Nicht mal, die Tatsache, dass sie bankrott sind, scheint ihn in irgendeiner Art und Weise zu bekümmern. Aus Mrs Bennet wurde eine kaufsüchtige, antisemitische, rassistische, homophobe Frau gemacht, die nur auf Geld und ihren guten Ruf aus ist. Lydia und Kitty schienen mir trotz ihrer Abhängigkeit vom elterlichen Geld nicht annähernd so naiv und kindlich, wie im Original, aber Sympathie konnte ich für sie durch ihr Verhalten auch nicht entwickeln. Jane fand ich anfangs gut getroffen, bis sie sich mit Bingley ausgesprochen hatte und dann die merkwürdige Bacheloridee kam. Beim letzten Kapitel über Mary konnte ich einfach nicht glauben, was ich da lese. Gut, eigentlich habe ich das ganze Buch über ständig mit dem Kopf geschüttelt und musste es mehrmals zur Seite legen, um zu verarbeiten, was ich da grad gelesen habe.
Kurz gesagten, wurden aus allen Schwestern (bis auf Jane) richtige Zicken gemacht. Vor allem bei Lizzy tat mir das im Herzen weh, weil ich als Fan natürlich ein ganz anderes Bild von ihr habe und es hier einfach nicht wiederfand. Ihre Darstellung hat mich am meisten enttäuscht. Ich fand sie anstrengend und die Dialoge mit Darcy waren für mich nur Beleidigungen. Ich habe als Leser nicht den Zauber zwischen den beiden gespürt, wie ich ihn kenne. Die Liebesgeschichte konnte ich demnach einfach nicht abkaufen. Auch die Beziehung zu ihren Schwestern oder ihrer besten Freundin Charlotte wurde hier ins Gegenteil verkehrt oder nur oberflächlich angekratzt. Mir hat die Tiefe gefehlt. Wenn man bedenkt, dass dieses Buch 600 Seiten lang ist und sich alles nur um Lizzy, ihre Familie, deren Probleme und um die Liebesgeschichten dreht, dann fällt die Oberflächlichkeit schon sehr auf.




Fazit


Anfangs fand ich die Ideen sehr interessant, da ich diese Adaption aber ständig mit dem Original verglichen habe, wurde es mir auf Dauer zu viel und zu lächerlich. Wäre dieses Buch kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich es abgebrochen.
Fans von Jane Austen würde ich von diesem Buch abraten, allen anderen könnte es vielleicht gefallen, da sie keinen Vergleich ziehen können.

1 Kommentar:

  1. Hallo Isbel,

    ich kann deine Meinung nur zu gut verstehen, aber irgendwie hat es mich ab der Hälfte dann doch mitgerissen. Ich hab glaube ich für die ersten 300 Seiten gut 3 Wochen gebraucht, die restlichen gingen innerhalb von 2 Tagen weg.
    Das die Charaktere so zickig dargestellt worden sind, hat mich auch schockiert. Es war eine nette Adaption, aber sie kann bei weitem nicht mit dem Original mithalten.
    "Stolz und Vorurteil" bleibt auf ewig mein All-Time-Favorit <3

    Alles Liebe,
    Tiana

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