{autorentage} Autoreninterview mit Florian Clever

Ich darf heute Florian zum Interview bitten und hoffe, dass ich mir Fragen überlegt habe, die nicht nur mich interessieren, sondern auch euch.

Hallo Florian,
ich freue mich, dass ich bei den Autorentagen mitmachen darf, und so dich und deine Bücher kennenlernen kann. Über deine Selbstbeschreibung im Buch habe ich ja schon etwas über dich erfahren und würde deswegen gerne mit Entweder-Oder-Fragen beginnen. Also keine Ausreden. Du musst dich entscheiden!

Yoga oder Tennis?

Yoga. Das ist auf die Dauer besser für meinen Rücken. Und ich mag die spirituelle Komponente. Ich wünschte nur, ich würde die Disziplin aufbringen, es regelmäßig zuhause zu praktizieren. Leider brauch ich irgendwie immer einen Kurs & die Gruppe, um den Schweinehund zu überwinden.

Land oder Stadt?

Stadtrand 😉

Nudeln oder Kartoffeln?

Kartoffeln. Oder „Tüften“, wie der Hobbit sagt.

Instrument spielen oder Singen?

Singen. Weil es unmittelbarer ist, als die Töne mit einem Hilfsmittel – eben einem Instrument – zu erzeugen. Dem Instrumentalisten schaust du beim Musizieren auf die Finger. Dem Sänger schaust du direkt in die Seele.

Tee oder Kaffee?

Kaffee (entkoffeiniert). Tee mag ich nicht. Und von normalem Kaffee werde ich abhängig. Wenn ich dann mal einen Vormittag keinen trinke, krieg ich Kopfschmerzen. Das nervt. Deshalb: decaf. Kaffee „mit Wumms“ trinke ich nur noch, wenn ich wirklich was Aufputschendes brauche. Wenn die Nacht zu kurz war & der nächste Tag lang wird. Oder wenn ich weiß, ich will noch bis in den späten Abend hinein schreiben.

Harry Potter oder Herr der Ringe?

Herr der Ringe!


Als Hobbies nennst du Kochen, Yoga, Tennis und den Versuch, Instrumente zu spielen und zu singen. Gibt es noch irgendetwas, was du gerne mal ausprobieren oder gerne können möchtest?

Ich möchte endlich vernünftig Kraulschwimmen können. Das übe ich seit zwei Jahren. Und ich hätte gerne mehr Grafik- und Layout-Fertigkeiten. Das würde mir als Selbstverleger vieles einfacher machen.

Wenn du einmalig in der Zeit reisen könntest, wohin würdest du reisen und warum? Natürlich inklusive Rückreise ins Hier und Jetzt.

Ich würde bis zu den Dinosauriern zurückreisen. Die würde ich gerne mal in Echt erleben. Auch diese irre Flora von damals. In Neuseeland hab ich Kauri-Trees gesehen, die waren schon echt groß. Zu Dino-Zeiten waren die aber noch viel, viel größer. Einfach gigantisch. Mal zu erleben, wie sich ein Brontosaurus an so einem Mega-Baum schubbert, das wäre klasse!

Hast du eine Angewohnheit, wovon andere genervt sind/sein könnten?

Ja. Nicht nur eine. Ich kann zum Beispiel sehr schweigsam sein. 😉


Du schreibst High-Fantasy. Ist dies auch dein bevorzugtes Genre beim Lesen? Welches Buch sollte deiner Meinung nach jeder gelesen haben?

Auf jeden Fall! Fantasy lese ich am liebsten. Und jeder sollte mal ein gutes Kochbuch gelesen haben. Unglaublich, was man sich so alles an Fertigmist reinstopft. Ich bin da weiß Gott auch nicht frei von. Täglich lauern Bequemlichkeit und Zeitdruck.

Der Beschreibung nach scheinst du beruflich viel rumgekommen zu sein. In welchem deiner Jobs hast du jetzt im Nachhinein am liebsten gearbeitet? Und arbeitest du noch als Werbetexter oder bist du jetzt hauptberuflich Autor?

Es war wunderbar, auf dem Wasser zu arbeiten, beim Windsurfunterricht oder auch auf dem Charterboot. Den ganzen Tag unter freiem Himmel. Umgeben vom Horizont. Als ich das aufgab & meinen ersten Bürojob antrat … Das war schwer. Gar nicht mal nur von den fachlichen Anforderungen her. Es war schwer, 8 Stunden oder länger am Schreibtisch festgenagelt zu sein.
Ich arbeite nach wie vor als Werbetexter, mittlerweile freiberuflich. Mein Debütroman kam ja erst Februar diesen Jahres auf den Markt. Ganz so rasch wird das leider nicht existenztragend mit der Schreiberei. Schon gar nicht als Self Publisher. Nur ganz wenige SPler können von ihren Büchern leben. Auch die meisten Verlagsautoren müssen übrigens noch anderweitig dazuverdienen.

Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Autoren die Frage „Woher kommen deine Ideen?“ nicht leiden können, deswegen frage ich lieber danach, wie du zum Schreiben gekommen bist. Kannst du dich an den Moment erinnern, an dem du wusstest, jetzt muss ich meine Idee zu Papier bringen?

Schade, ich finde die Frage nach der Herkunft von Ideen sehr spannend! Aber deine andere Frage tut’s auch. 😉
Ja, an den Moment erinnere ich mich. Da war ich zwölf und habe mein erstes eigenes Fantasy-Rollenspiel-Abenteuer für die Mitspieler vorbereitet. Das waren stichpunktartige Notizen, keine ausformulierten Texte. Bis ich anfing, richtig Prosa zu schreiben, mussten leider erst noch viele Jahre vergehen. Aber du fragtest ja nach der Idee auf dem Papier, nicht nach dem ersten ernstgemeinten und ernstzunehmenden Erzähltext.
Immerhin: Heute glaube ich, dass die etlichen Jahre, in denen ich mir stichpunktartig RPG-Abenteuer ausgedacht habe, der Nährboden für meine heutige Autorentätigkeit sind. Auf die Weise habe ich jahrelang geübt, zu plotten, also eine Geschichte zu entwerfen. Nur, dass ich sie heute eben aufschreibe und nicht mehr live mit Freunden spiele.

Aufgrund eines Bandscheibenschadens arbeitet Florian viel im Liegen. Aber ich finde, dass sieht doch sehr gemütlich aus, oder?

Spannende Fragen sollte man nicht außen vor lassen. Also: Woher kam die Idee zu Schwert & Meister?

Vor ca. 15 Jahren habe ich ein Textfragment aufgeschrieben, nur eine Seite: die Beschreibung eines mittelalterlichen Hüttenplatzes. Ein „Woitilar“ als Hüttenmeister kam da auch schon drin vor. Eine ganz rohe „Urfassung“ des späteren Einstiegs von Kapitel 1. Warum ich das aufgeschrieben habe? Keine Ahnung. Es muss mir irgendwie wichtig gewesen sein. In vielen Fantasy-Romanen mit Mittelalter-Setting ist der Held der Sohn eines Schmieds. Doch woher eigentlich das Metall kommt, das der Schmied verarbeitet – also der Rohstoff – davon hatte ich im Fantasy-Genre noch nie so richtig was gelesen. Der Rohstoff war irgendwie immer „einfach da“. Da hat es mich wohl gereizt, dem Prozess der Metallgewinnung einmal nachzugehen. Rund 10 Jahre und diverse Projekte später habe ich dieses Fragment wieder geöffnet und angefangen, SCHWERT & MEISTER zu schreiben. Und dabei festgestellt, dass ich mir all die Zeit über immer mal wieder Gedanken über dieses Grundthema – und eine mögliche Story dazu – gemacht hatte: ein magisches Metall. Wie es als Rohstoff gewonnen wird. Wie es weiterverarbeitet wird. Und was der Held meiner Geschichte damit dann alles anstellt.

Du arbeitest ja momentan an Band zwei der Reihe. Die Titel aller Bände stehen schon. Darum folgende Frage: Steht schon fest, wie die Reihe enden wird oder gehst du den Weg mit Glen gemeinsam und schaust, wo es euch hinführen wird?

Das Ende steht fest. Der ganze Text steht schon fest – in der Rohfassung. Ich arbeite seit September 2012 an SCHWERT & MEISTER. Nur Teil 1 in fünf Jahren geschrieben zu haben wäre ein arg armseliger Output. Nein, im Prinzip steht schon alles. Ich muss es jetzt nur noch veröffentlichungsreif machen. Ja, „nur noch“ … Ganz ehrlich: Der Unterschied zwischen der Rohfassung und der Druckversion ist enorm, das weiß ich heute. Insofern steckt in der Finalisierung auch noch mal richtig Zeit. Zumal ich ja keinen Verlag im Rücken (oder im Nacken) habe. Als SPler passiert ja nichts, wenn du es nicht selbst tust. Wobei ich von manchen Verlagskollegen höre, dass es ihm oder ihr mit Verlag im Grunde ähnlich geht. Na ja ... ich übertreibe ein wenig. Selbstverständlich gibt es auch viele Verlage, die engagiert mit ihren Autoren zusammenarbeiten. 😉

Die letzte Frage. Ich gehe davon aus, dass Glen noch in so einige bedrohliche Situationen geraten wird, und ganz allgemein die Zukunft in Iatiara nicht so rosig aussieht. Deswegen möchte ich, dass du dir einmal vorstellst, in deinem Buch leben zu müssen. Welchem der Völker würdest du angehören wollen, und wie sähe dein Leben dort aus? Würdest du im Kommenden mitmischen?

Ich wäre am liebsten ein Südländer. Die Südliche Provinz kommt in der Handlung nur am Rande vor. Das Böse erreicht sie, wenn überhaupt, dann so ziemlich zuletzt. Ich würde also als reicher Scheich unterm Palmendach sitzen, Shisha rauchen & mir den Bauch kraulen. Mitmischen, in dem, was in Teil 2 bis 6 kommt? Bewahre! Ich bin doch nicht lebensmüde! Kämpfen und triumphieren oder verlieren und sterben, Held oder Erschlagener sein, das überlasse ich gerne meinen Figuren.

Vielen Dank, dass du dich meinen Fragen gestellt hast.

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