{autorentage} Protagonisteninterview mit Pater Bennet

Durch einen Zauber habe ich mich in die Welt von Schwert & Meister versetzt. Da ich Woitilar und seinen Sohn Glen verpasst habe, anscheinend müssen sie Erz in den Bergen abbauen, bin ich nun auf den Weg zu Pater Bennet, um ihn für ein Interview aufzusuchen. Während ich durch den Wald laufe, auf der Suche nach dem Tempel, lausche ich auf vermehrten Vogelgesang. Die Leute im Dorf erzählten mir, dass Pater Bennet ein Vogelnarr sei. Und anscheinend haben sie damit nicht unrecht. Dem Singen der Vögel folgend, taucht schon bald der Tempel vor mir auf. Mit Verwunderung nehme ich den schlechten Zustand des Tempels war, bevor mein Blick auf Pater Bennet fällt, der auf einer Bank davor sitzt.

Seid gegrüßt, Pater Bennet. Ich freue mich, dass Ihr euch bereit erklärt habt, ein paar meiner Fragen zu beantworten.

Die Freude ist ganz auf meiner Seite! Ein Einsiedler wie ich hat ja nicht so oft Gesellschaft. Da ist jeder Besuch ein Fest. Warte, hier hast du eine Tasse Tee. Und da ist der Honigtopf, wenn du’s süß magst.

Ihr lebt hier allein. Fühlt Ihr euch nicht manchmal etwas einsam? Wie ist die Beziehung zwischen euch und den Dorfbewohnern?

Stimmt, ich bin der letzte Priester hier. Der Tempel ist ja auch kaum noch mehr als eine Ruine. Aber einsam? Nein! Ich hab ja meine Vögel. Und ab und zu kommt jemand aus den umliegenden Dörfern her. Jemand, der das Wort Mervarons sucht. Oder einfach nur die Stille. Ihr seid dem Gott Mervaron geweiht. Darf ich euch fragen, wieso Ihr euch für den Weg eines Priesters entschieden habt? Und wieso Ihr euch Mervaron weihen lassen habt?

Mervaron ist der Schutzherr der einfachen Leute, die von der Arbeit ihrer Hände leben. Der Handwerker und Bauern. Derer, die etwas erschaffen, das man anfassen und begreifen kann. Die das Korn zum Wachsen bringen. Mir ist bewusst, dass solche Dinge in den großen Städten Iatiaras an Beachtung verloren haben. Ich habe gehört, dass ein Gewerk dort heute gerne zerlegt und von verschiedenen Leuten gemacht wird. Schuhe zum Beispiel. Einer fertigt die Sohle, ein anderer schneidet das Leder für den Stiefelschaft, ein Dritter näht beides zusammen, ein Vierter schließlich verkauft den Stiefel, und ein Fünfter ... ein Fünfter zählt und verteilt das Geld. Und weißt du was? Dieser Fünfte ist der Herr, die anderen seine Knechte. Obwohl er den Stiefel selbst nicht einmal in der Hand hatte. Ist das nicht seltsam? Warum ich mein Leben Mervaron weihte? Weil ich glaube, dass jene, die die einfachen, nützlichen Dinge erschaffen, die Dinge des alltäglichen Lebens ... Ich glaube, dass sie den Göttern am nächsten sind. Für sie wollte ich da sein. Und will es noch.

Verzeiht die Frage, aber hat der Glaube in dieser Gegend an Bedeutung verloren? Der Zustand dieses Tempels hat mich doch etwas erstaunt.

Der Glaube bemisst sich nicht an Äußerlichkeiten. Aber gut, ich kann schon verstehen, dass dir diese Frage kommt. Dieser Tempel hat wirklich schon bessere Zeiten gesehen. Er ist sehr alt, weißt du? Nicht einmal ich kann heute noch sagen, was seinen Niedergang bewirkte. Neue Siedlungen werden gegründet und wachsen, alte Zentren verlieren an Bedeutung. Es ist der Gang der Dinge. Und doch ist Mervaron hier, in den freien Dörfern, noch stets so präsent und geehrt wie kaum sonst wo in Iatiara. Ich denke, die Menschen hier sind heute einfach anders als früher. Sie brauchen keine hohen Hallen und keine Räucherschalen, um zu beten und ihrem Patron im Himmel zu huldigen. Sie tun es jeden Tag auf ihre Weise. Auf den Feldern. In den Werkstätten. In ihren Hütten, wenn sie abends das Brot miteinander teilen. Viele von ihnen pflegen einen eigenen, kleinen Schrein in oder vor ihrer Behausung. Der genügt ihnen als Rückzugspunkt. Und wenn sie als Freunde und Nachbarn auf dem Dorfplatz zusammenkommen und gemeinsam scherzen und Feste feiern, so sind sie eine ebenso frohe und fromme Gemeinde, wie die Gläubigen in den großen Heiligtümern dieser Welt. Dann ist der Herr Mervaron mitten unter ihnen.

Woitilar und seine Familie kennt Ihr schon lange Zeit. Wie ich hörte, ward Ihr auch bei Glens schwieriger Geburt anwesend. Wie schätzt Ihr den Jungen ein?

Ich kenne ihn ja kaum. Das ist die Kehrseite des Eremiten-Daseins: Man sieht nicht, wie die Kinder groß werden. Die wenigen Momente, die ich mit Glen bislang teilen durfte, zeigen mir, dass er voller Leben steckt. Voller Neugierde. Voller Ungeduld. Aber das trifft wohl auf fast jeden Vierzehnjährigen zu. (lacht) Meine Vögel jedenfalls sagen mir, dass Glen Neradra weit herumkommen wird. Das ruhige Leben eines Dörflers ... nein, ich glaube nicht, dass das sein Weg ist. Auch, wenn er sich das vielleicht noch wünschen wird, ehe er das Ende seines Weges erreicht.
Die besondere Gabe von Woitilar ist mir bekannt. Heißt Ihr es gut, dass er diese seit langem nicht mehr eingesetzt hat? Was haltet Ihr von der Nutzung von Niyn?

Ach, das Niyn ... Es ist magisch und machtvoll, und für ein Metall ziemlich rege. Und doch ist es nur ein Werkstoff, wie Eisen, Stein oder Holz. Es nicht mehr zu schürfen war Woitilars Entscheidung, und ich respektiere sie. Er ist der Hüttenmeister. Ich käme ja auch nicht dazu, einem Tischler vorzuschreiben, mit welchem Holz er tischlern soll. Und was die Nutzung des Roten Goldes betrifft: Mervaron hat uns dieses besondere Metall geschenkt, so wie jedes andere Erz auch. Es ist an uns, es zum Guten zu nutzen, seine Kräfte wohlwollend zu gebrauchen. Oder es im Gestein zu belassen, auch in Ordnung. Doch wo Macht schlummert, ist der Missbrauch leider nicht weit. Das liegt nicht am Niyn. Das liegt in der Natur des Menschen.

Die Rashtei scheinen hier ein größeres Übel zu sein. Zumindest warnte man mich, nicht in ihre Gebiete zu reisen. Hattet ihr schon Kontakt mit Ihnen? Sind sie wirklich so barbarisch, wie erzählt wird?

Ja, ich habe schon Rashtei getroffen. Mehrfach. Sagen wir mal, sie sind nicht immer die einfachsten Nachbarn. Auf der anderen Seite gab es fast zwei Generationen lang keine nennenswerten Übergriffe mehr. Dafür aber Handel und halbwegs friedlichen Austausch. Dass es sich dieser Tage leider wieder anders darstellt ... wird seine Gründe haben. Irgendjemand hat die Rashtei richtig aufgebracht. Oder irgendetwas.

Eine letzte Frage: Als geweihter Mervarons habt Ihr doch sicher eine ganz andere Bindung zu den Göttern. Haben diese irgendetwas über die Zukunft von Iatiara verlauten lassen?

Nein. Die Götter lassen uns Sterbliche nicht sehen, was die Zukunft bringt. Auch mich nicht. Vielleicht wissen sie es ja selber nicht? (lacht) Gut, Taront, der Schicksalsfürst, wird wohl hier und da eine Ahnung haben. Aber er teilt sein Wissen nicht, und ich glaube, das ist auch besser so.

Pater Bennet, ich danke Euch für Eure Zeit und Eure Gastfreundschaft.


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